Identifizierung von Epitopen für neu entdecktes Antigen aus der Cyclin-FamiliePrivatdozent Sebastian Ochsenreiter hat in einem von der Berliner Krebsgesellschaft geförderten Forschungsprojekt 14 Epitope und ihre Wirkung auf Antikörper untersucht.
Ihre Forschung dreht sich um T-Zell-Epitope. Was sind Epitope und warum sind sie so wichtig?
Epitope sind Abbauprodukte von Proteinen, die nicht einfach zerstört, sondern nach außen auf die Zelloberfläche geschleust und dort den T-Zellen, also den Zellen, die für die Abwehr von Viren und bösartigen Zellen zuständig sind, gezeigt werden. Wir sprechen hier von einem Proteinabschnitt, der aus wenigen Aminosäuren besteht. Wenn die T-Zellen an den präsentierten Epitopen erkennen, dass sich fremde oder krankhafte Proteine in der Zelle befinden, wird diese zerstört.
Ja und diese Eigenschaft ist für die T-Zell-Therapie wesentlich. Antikörper, also die körpereigenen Abwehrstoffe, die vor allem für die Abwehr von Bakterien zuständig sind, binden zwar körperfremde Strukturen und markieren diese für das Immunsystem, sie wirken aber nur außerhalb der Zellen. Die Kontrolle der Epitope auf der Zelloberfläche durch die T-Zellen ist die einzige Möglichkeit für das Immunsystem, geschädigte oder fremde Proteine in der Zelle auszumachen. Antigene, also Zielproteine für das Immunsystem, können je nach Größe und Struktur aber viele verschiedene Epitope aufweisen. Welches, so haben wir uns gefragt, ist also das eine Epitop, dass am besten produziert und am zuverlässigsten auf der Oberfläche gezeigt wird.
Haben Sie ein bestimmtes Antigen untersucht?
Wir haben Cyclin A1 untersucht, das eigentlich nur für die Spermienproduktion gebraucht wird. Das Protein wird aber auch bei vielen Leukämien und beim Eierstockkrebs produziert. Wir halten es daher für ein vielversprechendes Zielprotein für eine spezifische Immuntherapie dieser Krebsarten.
Welchen Herausforderungen mussten Sie sich bei der Suche stellen?
Die Brauchbarkeit eines Epitopes hängt von mehreren Faktoren ab: erstens wie häufig das Epitop aus dem Ursprungsprotein ausgeschnitten wird, zweitens, wie gut das Epitop in das Molekül passt, mit dem das Epitop auf der Oberfläche präsentiert wird, und drittens wie gut das Epitop das Immunsystem zu stimulieren weiß.
Konnten Sie am Ende ein Epitop ausmachen?
Von den 14 Epitopen, die wir aufgrund ihrer Bindungswahrscheinlichkeit im Vorfeld ausgewählt haben, ist es uns gelungen, zwei neue HLA2 T-Zellepitope zu identifizieren, von denen wir behaupten können, dass sie zum einen gut präsentiert und zum anderen T-Zellen zum Angriff anregen. Wir werden über diese beiden Epitope in einer Fachpublikation berichten.
PD Dr. Sebastian Ochsenreither ist Facharzt am Zentrum für Tumormedizin der Charité
Das Interview führte Maren Müller.